Pilgerreise mit dem Fahrradvon Adana nach Jerusalemvon der Hocht pilgerreise

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von Karl Iten
aus Basel

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Marienbild

Mit dem Fahrrad von Adana nach Jerusalem

Als am 7. April um 10:30 Uhr die amerikanischen Panzer vor den Präsidentenpalast in Bagdad rollen, hält Franz-Josef von der Hocht, Malermeister im Ruhestand in Krefeld sein Visum für Syrien in der Hand.

Seit einem Jahr hat er die Pilgerreise nach Jerusalem geplant;

in der Nordtürkei regnet es

Vorbereitungen, die jemand machen  muss, der ganz alleine auf einem 9 Jahre alten Kettler City Bike und leichtem Gepäck, T-Shirt, Blockflöte... vom Brunnen des

St. Paulus in Tarsus in der Südosttürkei,über Damaskus in Syrien und Amman in Jordanien nach Jerusalem zur Grabeskirche Jesu radeln möchte. Die besorgte Familie erlegt dem gläubigen Christen ein Handy auf. Man will den Kontakt nicht verlieren in diesen Kriegszeiten.

Am 23. April besteigt Franz-Josef von der Hocht in Düsseldorf das Flugzeug und landet über Istanbul kommend in Adana. Es liegen über 1.300 km Ungewissheit vor ihm.

1.300 km ganz alleine auf einem 9 Jahre alten Kettler City Bike
...schaust du nach Vorne, siehst du dein Ziel nicht...

“Wenn man nachdenkt, kehrt man um”, sagt der rüstige 68 jährige, der mit seinem sonnengebräunten Teint und seinem grauen Bart aussieht, wie ein Araber.

“Ich hatte Begegnungen mit Menschen, wie man es sich nicht vorstellen kann.”

Nach einem Umweg von Adana zum Brunnen des heiligen Paulus in Tarsus macht er sich auf den langen Pilgerweg. Staubig, beschwerlich, einsam und nicht ungefährlich ist die Fahrt, auf einer Strecke, auf der Lkws und klapprige Pkws dicht an ihm vorbei rasen. Aber die Rücksicht der Orientalen auf Schwächere schützt ihn.

Moschee in Damaskus

In seinem Gepäck trägt Franz-Josef von der Hocht ein Schreiben der islamischen Gemeinde seiner Heimatstadt auf Arabisch, das ihn als Pilgerer nach Jerusalem ausweist. Man bittet, dem frommen Mann Unterstützung zu gewähren.
 Selbstverständlich wird dem christlichen Pilgerer geholfen. Er schläft unterwegs genauso auf dem Gelände von Moscheen, wie er die Gastlichkeit der Christlichen Niederlassungen genießt.

wer des Schreibens nicht kundig ist, braucht immer noch einen Schreiber

Was dem Deutschen nachhaltig in Erinnerung bleibt, ist der Schmutz. Nicht der Staub alleine, der in einer wasserarmen Weltgegend wohl selbstverständlich ist, nein, Franz-Josef von der Hocht meint das mangelnde Bewusstsein der Menschen, ihre Umwelt von Unrat, vor der Verunstaltung durch Zivilisationsmüll und auch vor dem Verfall durch Umwelteinflüsse zu schützen. Malermeister haben wohl einen Blick dafür.

Stundenlang muss Franz-Josef von der Hocht sein Fahrrad an Bergstrecken schieben, wird ab und zu von Reitern auf Eseln überholt. An einem Tag nur 36 Kilometer, an einem anderen Tag sind es dann glückliche 126 Kilometer, mit Rückenwind, bei 36 Grad. Trotzdem, Asphalt hört einfach auf, verwandelt sich in endlose Schotterpisten. Niemals begegnet er einem Fahrrad. Als er seinen einzigen Platten hat, kurz vor Damaskus, bringt ihn und sein Fahrrad ein Taxi zu einer Werkstatt. Dort gibt es tatsächlich auch ein paar Fahrräder. Fachmännisch wird der Reserveschlauch

Ali bringt den Tee

eingebaut; den geflickten alten Schlauch gibt man als Reserve dazu. Eine

 Bezahlung lehnen die freundlichen Mechaniker ab. Gute Fahrt!

frische Weinblätter auf dem Markt. Fleisch bleibt, eingewickelt in dem Grün frischer, saftiger!

Auf der Etappe Damaskus-jordanische Grenze findet der Pilgerer Unterschlupf in einer Baubaracke. 6 syrische Arbeiter und ein russischer Ingenieur. Der Einladung zu duftenden Bratkartoffeln kann der Pilgerer nicht widerstehen, dem angebotenen Wodka schon. Zum Dank, am nächsten Morgen bekommen alle Gastgeber ein kurzes

Begegnungen. Ein Nicken, ein Lächeln - alles ist Gespräch.

Ständchen auf der Blockflöte. Dem Küchenjungen spielt Franz-Josef von der Hocht “Hänschen klein” vor. Dem Jungen kommen vor Dankbarkeit die Tränen.

In Al Fagra, Jordanien schläft der Reisende nach Jerusalem im Lehrerzimmer einer christlichen Schule. Tagsüber in der Mittagshitze ist es mal das Wachzimmer einer Militärstation, oder ein schattiger Platz in der weltberühmten “blauen Moschee” in Amman.
Mit tiefem Respekt und auch etwas wehmütig im Hinblick auf den fortschreitenden Unglauben im christlichen Kulturkreis erinnert sich der praktizierende Katholik an die Kultur im Islam: “Da ist Ruhe; eine Moschee im Islam ist eine Stadt für sich, und die Menschen sind tief gläubig. Fünf mal beten alle gemeinschaftlich 15 Minuten und dann gehen sie wieder ihrer Wege.”

Für den Weg durch die Wüste sind 5 Liter Wasser mindestens nötig. Morgens geht es nüchtern los. Aus der Literatur weiß der Deutsche, dass man unbedingt gesund bleiben muss. Nur nicht den Magen verderben. Die Wüstenstrecken fordern von ihm das

Bazare sind die Open-Air-Kaufhäuser in den arabischen Ländern
..wenn man nachdenkt, kehrt man um!

Letzte. "Du bist als Wesen alleine, kein Grün, kein Vogel, kein Schmetterling, nur diese Sonne über dir. Wenn Du die schnurgrade Straße zurückschaust, kannst du nicht erkennen, wo du her kommst, schaust du nach Vorne, siehst du dein Ziel nicht."

Zwischendurch braucht man als Europäer etwas Kultur. Eine Dusche, ein frisch bezogenes Bett.

In Syrien gibt es überall Palästinenser. Auch, wenn sie Soldaten sind und für für einen eigenen Staat kämpfen, es sind ehrliche, herzliche Menschen.

Im 5 Sterne Interconti von Amman drückt Franz-Josef von der Hocht dem livrierten Portier sein Fahrrad in die Hand und marschiert verstaubt und verschwitzt, wie er ist durch das Foyer. Nach kurzem Gespräch bekommt er sein Zimmer für 50 Dollar.

“Ich habe nirgendwo mehr, als 50 Dollar bezahlt. Egal wo”, sagt der Deutsche. Für den Orient ist diese Form des Geschäfts natürlich selbstverständlich.

In Jordanien, weit vor der Grenze wird Franz-Josef von der Hocht mit seinem Fahrrad und anderen Passagieren in einen Bus verfrachtet, der dann kilometerweit durch Niemandsland fährt. Das Erste, was nach der langen Fahrt durch trockene und staubige Einöde auffällt, ist ein Grüngürtel mit Bäumen und blühenden Blumen. Israels Grenzbefestigung. Egal, von welchem Nachbarland man über den hohen Zaun nach Israel - oder Palästina - schaut, immer sehen die Nachbarn üppiges Grün. Wasser scheint keine Rolle zu spielen!

Von 13 Uhr bis 16 Uhr Mittagspause. Aber Wecken erlaubt.

4 Stunden dauert der Check. Es wird dem Deutschen unmissverständlich klar gemacht, dass er unverrichteter Dinge wieder nach Jordanien umkehren darf, wenn er sein Fahrrad nicht soweit auseinander baut, dass es in den Detektoren durchleuchtet werden kann.

Sein Vater hat ihm gesagt: Halte gut das Huhn fest!
Gute Gespräche, gute Begegnungen - der Händler wünscht sich mehr davon!

Franz-Josef von der Hocht will natürlich nach Jerusalem.

Israelische Soldaten. Wer versteht diesen Konflikt, wenn er diese Beiden betrachtet?So, wie sie schaut, sollte die Zukunft sein

Nach den Strapazen der letzten Wochen hat sich der Pilgerer vorgenommen, eine Nacht im Sheraton von Jericho zu wohnen.
 2 Stunden muss er an einer Straßensperre ausharren. Der amerikanische Außenminister Powell und der neue palästinensische Präsident Mahmud Abbas

konferieren in dem Luxushotel. Als die schwarzen Limousinen schließlich abfahren, schiebt Franz-Josef von der Hocht sein Fahrrad vor das Hotel und legt dem Concierge seinen Brief der islamischen Gemeinde vor. Er ist der einzige Gast in dieser Nacht im Sheraton. Natürlich für 50 Dollar.

In Jerusalem wird er, der Freude empfindet, endlich am Ziel zu sein mit “Einsamkeit, Trauer und Trostlosigkeit” konfrontiert. Während seines 5-tägigen Aufenthalts an den heiligen Stätten des orthodoxen Christentums, des Judentums, des Islam und des Latinum, wie die katholischen und evangelischen Christen heißen wird ihm der Hass zwischen Juden und Palästinensern deutlich bewusst.

Als Besucher Jerusalems überquert man zwangsläufig mehrmals die Grenzen zwischen den autonomen Palästinensergebieten und Israel. Immer wird gründlich kontrolliert. “Your Passport, please!”

der Felsendom in Jerusalem, ein Nebeneinander der großen Weltreligionen. Unten ist die Klagenmauer zu sehen.
Mit dem koptischen Priester führt der Deutsche lange Gespräche
Der Pilgerer vor der Grabeskirche. Hier ist es einsam und still geworde.

Soldatinnen und Soldaten tragen ihre Waffen 24 Stunden am Tag am Körper. Das Stadtbild ist geprägt von schwer bewaffnetem Militär. Wie soll in dieser bedrückenden Atmosphäre der seit

zweieinhalb Jahre stagnierende Tourismus erneut Vertrauen finden? Von 326 Betten des Hospiz Notre Dames am Damaskus Tor sind 4 Betten belegt. Eines davon vom christlichen Pilgerer aus Deutschland, Franz-Josef von der Hocht.
Seine Tage sind ausgefüllt.

Neben Gebeten an den Stätten seines Glaubens sitzt er mit Palästinensern zusammen, genießt deren schlichte Freundlichkeit. Und er besucht die Gedenkstätte des Holocaust. 6 Kerzen brennen. Eine für jede Millionen der 6 Millionen Opfer. Spiegel potenzieren das Licht der Kerzenflammen in die Unendlichkeit. Es ist hell und dunkel zugleich in dieser Unbegreiflichkeit. Ununterbrochen werden die Namen der Opfer verlesen. Draußen, wieder im warmen Licht der Sonne, spricht Franz-Josef von der Hocht ein Gebet für den Frieden.

unterschiedliche Religionen, unterschiedliche Rassen... genau so hat Gott die Welt gemacht!
Immer und überall trägt der Soldat seine Waffe mit.  Wer wollte bezweifeln, dass diese Beiden Frieden herbeisehnen !!!!

bellnet

Am Morgen seiner Abreise, am 15. Mai um 7 Uhr wird er von einer Explosion aus dem Schlaf gerissen. Ein palästinensischer Selbstmordattentäter hat sich wenige Straßen weiter in einem Linienbus in die Luft gesprengt und unschuldige Opfer in den Tod gerissen. Viele sind Zeit ihres Lebens verletzt, verstümmelt.

Franz-Josef von der Hocht greift zum Handy, ruft Zuhause an.
“Mir geht es gut”, sagt er, ”ich bin auf dem Weg zum Flughafen”.

Fotos: Franz-Josef-von der Hocht
Text: Wolfgang Hoffmann
Copyrights: Reisebüro Brück & Stephan GmbH